Mein Austritt

Heute bin ich aus der Piratenpartei ausgetreten.

Ein Schritt, der mir nach sechs Jahren intensiver Parteiarbeit nicht leicht gefallen ist. Die Gründe für meinen Austritt sind vielfältig.

Ich sehe Politik als Mannschaftssport. Leider ist der größte Teil meiner Crew aber schon von Bord gegangen. Ende 2015 haben große Teile der Kernmannschaft den KV Nürnberg verlassen. Danach war irgendwie die Luft raus. Der Spaß, den wir zusammen hatten, war weg.

Zur Landtagswahl im letzten Jahr haben sich noch ein paar Mitstreiter gefunden, um Plakate in Nürnberg aufzuhängen. Abhängen durfte ich die Dinger dann allein. Unschön.

Ein anderer Grund ist, dass ich viele Themen der Piraten durch die praktische Arbeit in der Politik inzwischen etwas differenzierter sehe. Digitale Mitbestimmung und Bürgerbeteiligung sind als Schlagwörter immer recht schön. Wenn es aber dann an die Umsetzung geht, wird es kompliziert.

Meine Erfahrung der letzten Jahre zeigt: Je mehr man Basis und Bürgern einbinden will, desto professioneller muss der Prozess moderiert und begleitet werden. Ansonsten gibt es nur große Diskussionen und hinterher weiß keiner, wer jetzt eigentlich was will, und wie repräsentativ das Ergebnis ist.

Und gerade mit der digitalen Mitbestimmung haben sich die Piraten parteiintern nicht mit R(h)um bekleckert. Ein Basisentscheid ist immer noch nicht eingerichtet, und der parteiinterne Zwiespalt zwischen Datenschutz beim Wahlgeheimnis und der Verfechter der „Liquid Democracy“ ist nicht überbrückt.

Des Weiteren ist das Image der Piraten ziemlich ruiniert. Das wäre mir persönlich weniger wichtig, aber es erschwert meine politische Arbeit. Wenn ich bei Bürgern erwähne, das ich von den Piraten bin, werde ich meist belächelt und als Kuriosum betrachtet. Eine Kontaktaufnahme von Seiten der Bürger bleibt vollkommen aus. Deswegen agiere ich hier zur Zeit etwas im luftleeren Raum, der Bezug zur Basis bzw. den Bürgern fehlt mir.

Ich bin aber darauf angewiesen, die Stimmungslage der Stadt zu spüren und die Sorgen und Nöte der Bürger aufzunehmen und in den politischen Betrieb einzuspeisen. Das wird mir vom Label der Piraten erschwert, so dass ich mich schweren Herzens entschlossen habe, mein Engagement bei den Piraten zu beenden und mich neuen Herausforderungen zu stellen.

Es war eine schöne Zeit. Macht’s gut, und danke für den Fisch